Die ultimativen Freundschaftssocken

Anfang der 90er Jahre war ich in der örtlichen Friedensbewegung aktiv. Damals war klar, dass ich mit den Leuten auch meinen 18. Geburtstag feiern werde. Von den Leuten bekam ich damals ein T-Shirt (in Lila – ich hatte schon damals einen Lilatick), auf dem der Umriss der Kirche zu sehen war, vor der wir wochenlang eine Mahnwache abgehalten hatten und dem Satz:

Viele kleine Menschen,

die viele kleine Schritte machen,

können das Gesicht der Welt verändern.

Das T-Shirt gibt es immer noch, auch wenn es nicht mehr tragbar ist. Der Spruch ist allerdings irgendwie zu meinem Lebensmotto geworden.

Meine Aktivitäten in der Friedensbewegung wurden irgendwann immer weniger. Erst war ich beruflich stark eingebunden, dann gesundheitlich gehandicapt. Leider schränkte beides zeitweise auch meine freundschaftlichen Kontakte ein.

Anfang des neuen Jahrtausends zog bei mir dann auch ein Modem ein und ich konnte mich im damals noch fremden weltweiten Internet bewegen. Was soziale Kontakte wieder vereinfachte, weil die eben auch nach Feierabend statt finden konnten. Bald hatte ich dann über das Internet soziale Kontakte. Wobei ich, zumindest damals, Wert darauf gelegt hatte, dass ich die Leute auch irgendwann mal Live erleben kann. Und bis 2005 habe ich einige der Leute, mit denen ich vorher Online kommuniziert hatte, auch live und in Farbe kennen. Aus manchen Begegnungen sind Freundschaften geworden.

Mittlerweile nutze ich das Internet durchaus getreu meinem Lebensmotto. Ich habe eben mal nach der Quelle gesucht und stellte fest, dass das Zitat eigentlich heißt:

Wenn viele kleine Leute,

an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun,

können sie das Gesicht der Welt verändern.

 und afrikanisches Sprichwort ist.

Lunaju hat ja zum Nähwettbewerb zum Thema Freundschaft aufgerufen. Ich überlegte tatsächlich nur kurz, was ich denn nähen könnte. Viel schwerer war es, zu entscheiden, wer nun was bekommen sollte.

Ich habe spontan entschieden Socken zu nähen. Das passte irgendwie gerade zu mir. Gestern präsentierte ich ja bereits meine Erstlingswerke Ich mache halt gerne Sachen, die andere unsinnig ansehen. Ich habe die Tage schon welche für mich genäht und bin mit meinen neuen Socken selig. Da mein erster Gedanke eine Freundin betraf, die Eulen liebt, sollte es was mit Eulen sein. Ich sag euch, es ist gar nicht so einfach, momentan Jerseystoff mit Eulen zu bekommen. Bei Karstadt bin ich fündig geworden.

teaser

Nun habe ich 60 Zentimeter des Eulenstoffs gekauft. Typisch für mich, da ich mal wieder zu verpeilt war, vorher zu überlegen, wie viel Stoff ich eigentlich brauche. Wobei – irgendwie auch wieder gut, denn ich bekam 6 Paar Eulensocken aus meinem Stoffschätzchen raus.

eulensocken1Und nun stand ich vor dem Problem, wer soll die Socken nun bekommen.

eulensocken2Vorher klar war, C. muss ein paar Socken bekommen. Immerhin habe ich wegen ihr den Eulenstoff gewählt. C. und ich haben einen Teil unseres Lebensweges gemeinsam beschritten und sind dabei Freundinnen geworden. Ich finde da passen Socken als Symbol recht gut. Zumindest wenn man mein Lebensmotto noch mit dazu nimmt.

C. war auch gleich hin und weg, als sie die Socken bekommen hat. Ich hatte mein Paar schon an und sie wurde dann genötigt, ihre auch anzuziehen und dann suchten wir jemand, der unsere Socken an uns fotografierte. Was ein lustiger Spaß wurde. An dieser Stelle einen freundlichen Gruß an Frau H., die uns so richtig schön bemuttert hat. Wir haben es genossen. Ach ja, dass schätze ich an Frau H. ja ganz besonders! Falls mir mal ein schöner Stoff entgegenspringt, bekommt Frau H. sicherlich auch ein paar selbst genähte Socken.

Mit C. hatte ich noch einen sehr schönen Nachmittag und ich hoffe sehr, wir können das noch möglichst oft wiederholen!eulensockencAlle anderen Socken durften dann auf die Reise gehen.

R. war eine der ersten Personen, die ich im Internet kennen gelernt habe und mit der ich heute noch Kontakt habe. Wenn auch nicht mehr ganz so intensiv wie früher. Was aber sicherlich auch den geänderten Lebenssituationen liegt.

Uns wurde schon oft gesagt, dass wir aussehen wie Schwestern. Was uns beide verwundert. Komischerweise wurden C. und ich die Woche auch mehrmals gefragt, ob wir Schwestern sind. Somit wären wir nun wohl Drillinge?

Früher habe ich ja auch ab und an Socken gestrickt. Seitdem ich aber Fotos von Rs Socken gesehen habe, weigere ich mich standhaft noch mal Socken zu stricken. R. macht total tolle Socken, so schön waren meine nie. Deshalb aber passen genähte Socken hier auch wunderbar.

Über die Community, auf der ich R. kennen lernte, kannte ich Y. auch schon länger durch Lesen in einem Forum. Näheren Kontakt bekamen wir über unser Handarbeitshobby. Wir machen beide gerne Dinge selbst.

Seit ein paar Jahren organisieren wir ein Weihnachtswichteln. Ich kenne niemand, der das ganze Jahr so sehr im Weihnachtsmodus ist wie Y. Die letzten Jahre gestalten wir das mittlerweile zusammen. Wir gehen also einen gemeinsamen Weg um als viele kleine Menschen, an vielen kleinen Orten,  das Gesicht der Welt anderer zu verändern.

Damit wäre dann auch aufgelöst, wem ich die Tage schon Weihnachtspost geschickt habe. Auch Y. steht auf außergewöhnliches – sie spinnt mittlerweile Wolle und zu Weihnachten habe ich von ihr selbst gefärbte Wolle bekommen, die ich ständig anhimmeln muss.

 

eulensockenbeere

Ein viertes Paar ging an G., die ich von der selben Plattform kenn. Keine Ahnung mehr wie wir uns kennen lernten. G. wichtelt mittlerweile fleißig mit. Außerdem sind wir alle in einer Handarbeitsgruppe, in besagter Community. Ich bewundere immer wieder Gs Werke.

G. ist ein wenig älter als ich. Aber ich habe von G. noch nie Argumente ala sie ist ja älter und weiß deshalb mehr, gehört. Letztes Jahr berichtete mir G., dass sie meine Idee eines Leergutsacks so toll findet, dass sie auch unbedingt einen nähen müsste. Das macht mich enorm stolz.

G. und ich tauschen über besagte Gruppe oft Ideen aus. Was uns beiden gefällt. G. zaubert einen immer wieder ein Lächeln ins Gesicht. Ich kann gar nicht zählen, wie oft sie mein Herz mit kleinen Gesten erwärmt hat.

Meine nächste Aufgabe wird eindeutig sein G.  davon zu überzeugen, einen Blog anzulegen. Ich garantiere jetzt schon für eine sehr große Vielfalt an selbst gemachten Dingen.

Am Dienstag verlinkte ich irgendein besonderes Werk von einem Blog in besagter Gruppe. G. meinte dazu nur, dass sie gar nicht weiß, wann sie all die tollen Ideen nacharbeiten soll. Ich foppte sie noch, dass sie demnächst dem selbst genähte Socken Virus verfallen sein wird. Die Begeisterung, als meine Sendung endlich bei ihr ankam, war überdeutlich in besagter Gruppe zu lesen. Was mich sehr glücklich gemacht hat.

G. und ich haben also auch einen gemeinsamen Weg, auf dem wir gegenseitig unser Gesicht der Welt verändern. Was ich irgendwie total toll finde.

eulensockengudrun

Somit schließt sich der Kreis. Viele kleine Leute, werden nun in tollen Eulensocken, viele kleine Schritte machen, um das Gesicht der Welt zu verändern. Ich für meinen Teil freue mich über die Freude, die ich diese Woche mit den Socken gemacht habe.

Ich bin dankbar für jeden Freund, der mich nimmt wie ich bin. Leider musste ich mich entscheiden, wer dieses Mal selbst genähte Werke bekommt – aber irgendwann ist jeder mal dran 🙂

Damit bin ich heute ganz klar bei Nähwettbewerb von Lunaju zu finden.

Außerdem reihe ich mich beim Freutag und bei den Kostenlose Schnittmustern ein.

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Freundschaft [short stories #2]

Was Eigenes und Jolijou haben für 2014 eine schöne Aktion gestartet. Jeden Monat kann ein Text zu einem vorgegebenen Thema verfasst werden. Für Februar ist es das Thema Freundschaft.

Freundschaft

Ich habe in meiner Kindheit und Jugend eher wenige Freunde gehabt. Aus einer Vielzahl von Gründen war ich immer Außenseiter. Bin es in mancher Hinsicht heute noch.

Als Teenager und junge Erwachsene hatte ich an sich für alles Mögliche eine andere Freundin. Mit der einen fuhr ich Shoppen, mit einer traf ich mich für andere Aktivitäten und mit einer anderen ging ich abends weg. War immer mehr der gute Kumpel, für intimere Gespräche, wie man sie in dem Alter führte, war irgendwie nie Platz. Ist vielleicht aber auch an meiner Unerfahrenheit zu dem Thema über Gefühle reden gescheitert?

Schlechte Arbeitszeiten, viele Überstunden, ein Nettoeinkommen, welches unter dem meines Freundeskreises lag, erledigten irgendwie den Rest. Entweder man traf sich, während ich arbeiten musste oder ich konnte mir diverse Dinge eben schlicht und einfach nicht leisten. Beziehungsweise setzte ich sicherlich auch teilweise meine Prioritäten anders.

Als ich Weihnachten 1999 mein erstes Modem bekam, Anfang des folgenden Jahres auch einen Computer anschaffen konnte, mit dem man ins Internet konnte, öffneten sich irgendwann ganz neue Welten für mich.

Ich konnte nun mit Menschen kommunizieren, wann ich Zeit (und auch Lust) hatte. Lernte Menschen kennen, die im Endeffekt mein Leben verändert haben. Wenn auch nicht zwingend zum Positiven. Wäre mein Leben aber so weiter gelaufen wie vor den Zeiten des Internets, dann wäre es auch nicht positiver verlaufen. Deshalb sehe ich das noch nicht mal negativ.

Ich finde, man lernt Menschen über das Internet anders und teilweise viel intensiver kennen. Es zählen nicht mehr Äußerlichkeiten. Man orientiert sich einfach anders. Teilweise eben auch über gemeinsame Interessen. Mit meinen Interessen, wie eben u.a. Basteln und Handarbeiten, eckte ich mehr als einmal an. Nun kann ich diese Interessen eben mit Personen teilen, die es auch interessiert. Meine Suche nach Gleichgesinnten ist nicht mehr auf den Wohnort beschränkt. Ist nicht mehr auf gemeinsame Aktivitäten begrenzt, wie zum Beispiel Volkshochschulkurse, zu denen mir die Zeit und teilweise auch die finanziellen Mittel fehlten.

Ich habe über das Internet viele Menschen kennengelernt, die ich durchaus als Freunde bezeichnen würde. Ob man füreinander da ist, was ja ein Punkt ist, der eine Freundschaft ausmacht, ist natürlich immer auch von den Beteiligten abhängig.

Ich halte Freundschaft für ein kostbares Gut. Dank Internet ist es mir zu Zeiten, zu denen ich auf Freundschaften teilweise hätte verzichten müssen, möglich gewesen, Kontakte zu haben. Heute habe ich zwar mehr Zeit, aber es mangelt eben an anderen Punkten, die einer Freundschaft zuträglich wären. Die aber durch Kontakte über das Internet durchaus bestehen.

Ich liebe es mit Freunden über Blogs und Foren zu diskutieren. Wir sind sicherlich nicht immer einer Meinung. Eine Freundschaft macht es aber auch aus, wenn man die Meinungen anderer respektiert und man sich mit Achtung gegenübertritt.

Oftmals werden virtuelle Freundschaften kritisch betrachtet. Ich habe viele meiner Online-Freundschaften auch real kennen gelernt. Da ich seit ein paar Jahren kein Fahrzeug mehr habe, ist es immer schwer sich mit jemand zu treffen. Wenn sich die Gelegenheit aber anbietet, bin ich meistens gerne mit dabei. Deshalb sehe ich virtuelle Freundschaften als nicht nur virtuell an. Virtuell ist nur die Plattform, über die man kommuniziert.