Freundschaft [short stories #2]

Was Eigenes und Jolijou haben für 2014 eine schöne Aktion gestartet. Jeden Monat kann ein Text zu einem vorgegebenen Thema verfasst werden. Für Februar ist es das Thema Freundschaft.

Freundschaft

Ich habe in meiner Kindheit und Jugend eher wenige Freunde gehabt. Aus einer Vielzahl von Gründen war ich immer Außenseiter. Bin es in mancher Hinsicht heute noch.

Als Teenager und junge Erwachsene hatte ich an sich für alles Mögliche eine andere Freundin. Mit der einen fuhr ich Shoppen, mit einer traf ich mich für andere Aktivitäten und mit einer anderen ging ich abends weg. War immer mehr der gute Kumpel, für intimere Gespräche, wie man sie in dem Alter führte, war irgendwie nie Platz. Ist vielleicht aber auch an meiner Unerfahrenheit zu dem Thema über Gefühle reden gescheitert?

Schlechte Arbeitszeiten, viele Überstunden, ein Nettoeinkommen, welches unter dem meines Freundeskreises lag, erledigten irgendwie den Rest. Entweder man traf sich, während ich arbeiten musste oder ich konnte mir diverse Dinge eben schlicht und einfach nicht leisten. Beziehungsweise setzte ich sicherlich auch teilweise meine Prioritäten anders.

Als ich Weihnachten 1999 mein erstes Modem bekam, Anfang des folgenden Jahres auch einen Computer anschaffen konnte, mit dem man ins Internet konnte, öffneten sich irgendwann ganz neue Welten für mich.

Ich konnte nun mit Menschen kommunizieren, wann ich Zeit (und auch Lust) hatte. Lernte Menschen kennen, die im Endeffekt mein Leben verändert haben. Wenn auch nicht zwingend zum Positiven. Wäre mein Leben aber so weiter gelaufen wie vor den Zeiten des Internets, dann wäre es auch nicht positiver verlaufen. Deshalb sehe ich das noch nicht mal negativ.

Ich finde, man lernt Menschen über das Internet anders und teilweise viel intensiver kennen. Es zählen nicht mehr Äußerlichkeiten. Man orientiert sich einfach anders. Teilweise eben auch über gemeinsame Interessen. Mit meinen Interessen, wie eben u.a. Basteln und Handarbeiten, eckte ich mehr als einmal an. Nun kann ich diese Interessen eben mit Personen teilen, die es auch interessiert. Meine Suche nach Gleichgesinnten ist nicht mehr auf den Wohnort beschränkt. Ist nicht mehr auf gemeinsame Aktivitäten begrenzt, wie zum Beispiel Volkshochschulkurse, zu denen mir die Zeit und teilweise auch die finanziellen Mittel fehlten.

Ich habe über das Internet viele Menschen kennengelernt, die ich durchaus als Freunde bezeichnen würde. Ob man füreinander da ist, was ja ein Punkt ist, der eine Freundschaft ausmacht, ist natürlich immer auch von den Beteiligten abhängig.

Ich halte Freundschaft für ein kostbares Gut. Dank Internet ist es mir zu Zeiten, zu denen ich auf Freundschaften teilweise hätte verzichten müssen, möglich gewesen, Kontakte zu haben. Heute habe ich zwar mehr Zeit, aber es mangelt eben an anderen Punkten, die einer Freundschaft zuträglich wären. Die aber durch Kontakte über das Internet durchaus bestehen.

Ich liebe es mit Freunden über Blogs und Foren zu diskutieren. Wir sind sicherlich nicht immer einer Meinung. Eine Freundschaft macht es aber auch aus, wenn man die Meinungen anderer respektiert und man sich mit Achtung gegenübertritt.

Oftmals werden virtuelle Freundschaften kritisch betrachtet. Ich habe viele meiner Online-Freundschaften auch real kennen gelernt. Da ich seit ein paar Jahren kein Fahrzeug mehr habe, ist es immer schwer sich mit jemand zu treffen. Wenn sich die Gelegenheit aber anbietet, bin ich meistens gerne mit dabei. Deshalb sehe ich virtuelle Freundschaften als nicht nur virtuell an. Virtuell ist nur die Plattform, über die man kommuniziert.

 

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